Was gute Immobilienfotos ausmacht
Ein gutes Immobilienfoto zeigt den Raum so, wie er tatsächlich ist: gerade Linien, natürliche Farben, ausreichend Licht und ein Bildausschnitt, der die Größe nicht übertreibt. Entscheidend sind drei Dinge, die nichts mit der Kamera zu tun haben: der Standpunkt, die Vorbereitung des Raums und die Reihenfolge der Bilder im Exposé.
Gerade Linien, und warum sie so auffallen
Das erste, was auf einem schlechten Immobilienfoto auffällt, sind kippende Wände. Sie entstehen, wenn die Kamera nach oben oder unten geneigt wird: Senkrechte Kanten laufen dann zusammen, und ein Raum wirkt, als würde er nach hinten umfallen. Der Ausweg ist unspektakulär. Die Kamera bleibt waagerecht, steht auf einem Stativ auf etwa halber Raumhöhe, und was danach noch schief ist, wird in der Bearbeitung geradegezogen.
Der zweite Punkt ist der Standpunkt. Aus der Mitte eines Zimmers fotografiert wirkt jeder Raum kleiner, als er ist, weil man gegen eine Wand schaut. Aus einer Zimmerecke heraus sieht man zwei Wände und die Tiefe dazwischen. Das ist der Unterschied zwischen einem Bild, auf dem man den Raum einschätzen kann, und einem, auf dem man rät.
Licht: hell, aber nicht ausgebrannt
Räume sollen hell und freundlich aussehen, ohne dass die Fenster weiße Löcher werden. Der Blick nach draußen gehört mit aufs Bild, denn er sagt etwas über die Lage. Technisch heißt das: mehrere Belichtungen oder zusätzliches Licht, damit Innenraum und Fensterblick beide zu sehen sind.
Beim Licht entscheidet außerdem die Uhrzeit. Ein Wohnzimmer nach Süden fotografiert man nicht mittags bei direkter Sonne, sondern wenn das Licht weich ist. Für Außenaufnahmen ist die Stunde vor Sonnenuntergang die dankbarste, und bei einem Objekt, bei dem es auf Wirkung ankommt, lohnt sich eine Dämmerungsaufnahme mit Licht in den Fenstern. Das ist bis heute das Bild, das in Trefferlisten am zuverlässigsten den Blick anhält.
Vorbereitung: die halbe Miete
Der größte Unterschied entsteht vor der ersten Aufnahme. Was weg muss, ist in fast jeder Wohnung dasselbe:
- Alles, was auf Arbeitsplatte, Esstisch und Fensterbank herumsteht
- Handtücher, Zahnputzbecher und Kosmetik im Bad
- Mülleimer, Wäscheständer, Tiernäpfe, Schuhe im Flur
- Magnete, Zettel und Fotos an Kühlschrank und Pinnwand
- Kabel, Ladegeräte und Fernbedienungen
- Persönliche Fotos, wenn die Wohnung bewohnt ist und verkauft wird
Die Reihenfolge im Exposé
Ein Bildersatz ist keine Sammlung, sondern ein Rundgang. Zuerst das Titelbild, an dem man die Immobilie erkennt, danach die Räume in der Reihenfolge, in der man durch die Wohnung geht, zum Schluss Außenbereich, Keller und Technik. Wer die Bilder durcheinanderwirft, zwingt Interessenten dazu, sich den Grundriss selbst zusammenzusetzen.
Das Titelbild trägt dabei das meiste Gewicht. In der Trefferliste eines Portals ist es oft das einzige Bild, das überhaupt gesehen wird, und es entscheidet, ob jemand klickt oder weiterscrollt. Bei einem Haus ist das meist die Außenansicht oder eine Aufnahme aus der Luft, bei einer Wohnung der hellste und größte Raum.
Woran man eine schwache Bildstrecke erkennt
Drei Dinge fallen bei Inseraten immer wieder auf, und alle drei sind ohne Aufwand vermeidbar:
- Hochformat aus der Hand, oft mit Blitz und gelbstichigem Licht
- Räume ohne Zusammenhang, dieselbe Ecke dreimal, die Küche gar nicht
- Zu wenige Bilder: Wer drei Fotos einstellt, bekommt Anfragen von Leuten, die den Rest sehen wollen, statt von Leuten, die kaufen wollen